Schnulzen: Voll auf die Tränendrüse gedrückt

Ich bin nicht gerade der Typ, der sich gerne Rotz und Wasser heulend in der Öffentlichkeit erwischen lässt. Allerdings – in einem abgedunkelten Kinosaal oder irgendwann daheim vor der eigenen Glotze lasse auch ich mich durchaus das eine oder andere Mal von einer Schnulze dahinraffen … Im geschützten Raum ergebe mich all dem Herz-Schmerz der Traumfabriken von Hollywood und Bollywood bis Babelsberg. Obwohl ich finde, dass Schnulzen Grenzgänger sind, die die Nerven und oder das Herz erreichen können.

Schnulzen zwischen Traum und Alptraum
Die Liste der Hollywood-Schnulzen ist unendlich lang und reicht von „Casablanca“, „Love Story“, „Message in a bottle“ bis „Titanic“. Mein absolut-liebster Hollywood-Schnulzen-Schinken ist und bleibt aber „Ghost – Nachricht von Sam“. Wem dieser Film auf die Nerven statt auf die Tränendrüse geht, dem ist wirklich nicht zu helfen. Unvergesslich und einmalig der Moment, wenn Whoopi Goldberg Patrick Swayze ihren Körper borgt, damit sich Sam und Molly alias Demi Moore ein letztes Mal berühren können.
Bollywoodfilme haben immer ein Abonnement auf Schnulze. Da wäre es müßig und krampfhaft einen einzigen Beispielfilm zu nennen. Bei den Babelsberger Filmhallen fällt mir unweigerlich Til Schweiger als der deutsche Schnulzen-König ein. Dem Til gelingt es perfekt als Schnulzen-Schauspieler und -Produzent das deutsche Cinema mit seinen Schnulzen-Treffern zu überschwemmen. Das kann manchmal ein echter Alptraum sein.

Romanzen ohne Ende
Eine Schnulze ist eine Romanze, die jeder Emanze die Show stiehlt. Meg Ryan ist für mich immer noch die absolute Schnulzen-Queen, die Julia Roberts um Längen schlägt. Immer das Gleiche: Gute Laune löffeln pur, bis ich hast den Rand voll habe von Megs Dauergrinsen. Dann möchte ich schnell aus dem Kinosaal hinaus rennen, um frische Luft zu schnappen. Doch dann kann ich wieder den Rand nicht voll bekommen von all dem Herz zerreißenden Geschmachte und Megs naivem Augenaufschlag. Seltsam, aber Meg Ryan ist ein waschechtes Schnulzen-Naturtalent und die Unschuld in Persona. Sie schafft es mit links jeden Film zu verschnulzen, ganz egal, ob Kevin Kline in „French Kiss“, Tom Hanks in „E-Mail für dich“ sowie in „Schlaflos in Seattle“ oder Nicolas Cage in „Stadt der Engel“ ihre Filmpartner sind. Am Ende sind alle happy, auch wenn es im Film selber gar kein Happy End gab.